SRG-Schwächung: Viel Risiko für wenig Ersparnis

Die SRG-Initiative muss abgelehnt werden. Eine radikale SRG-Schwächung ist für unsere Demokratie höchst riskant. Eine massvolle Reduktion hingegen ist auch ohne die Initiative schon im Gange. Die SRG-Gebühren sinken bereits. Warum also ein Risiko eingehen?

SRG-Schwächung: Viel Risiko für wenig Ersparnis

Die Initiative verspricht pro Haushalt eine Entlastung von rund hundert Franken im Jahr. Dem steht jedoch ein hohes Risiko gegenüber: Der Verlust einer verlässlichen Medien-Grundversorgung und einer vielfältigen Schweizer Kulturlandschaft. Am Ende schafft die Initiative mehr Probleme, als sie löst. Kaputt machen ist bekanntlich einfacher als aufbauen.

Die Initiative läuft faktisch auf einen Rückzug der SRG aus dem Digitalen hinaus. Mit der Beschränkung auf lineare Radio- und TV-Programme wird es der SRG unmöglich, die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich heute informieren: im Internet. Damit wird die SRG nicht reformiert, sondern langfristig ausgehöhlt.

Dass sich die SRG weiter reformieren soll und effizienter werden kann, steht ausser Frage. Die Initiative ist jedoch kein Reforminstrument, sondern ein grober Budgeteingriff, der Anpassungsfähigkeit eher behindert als fördert.

Eine massvolle SRG-Reform findet bereits statt

Auch ohne die Initiative werden künftig alle Haushalte und 80% aller Unternehmen finanziell entlastet. Diese bereits beschlossenen Sparmassnahmen zwingen die SRG schon heute, Leistungen abzubauen, mit konkreten Folgen wie dem Absetzen beliebter Sendungen und dem Wegfall einzelner Dienstleistungen.

Die Initianten begründen ihr Anliegen unter anderem damit, junge Menschen und das Gewerbe entlasten zu wollen, da diese angeblich keine SRG-Angebote nutzen. Sie übersehen dabei, dass von den Leistungen der SRG auch jene indirekt profitieren, die selbst kaum oder gar keine SRG-Inhalte konsumieren, denn Nachrichten und Informationen, die für alle zugänglich sind, tragen wesentlich zum Funktionieren unseres Landes bei.

Wer sich für die SRG-Gebühren einsetzt, muss dabei nicht alles gutheissen, was die SRG tut. Entscheidend ist vielmehr, sich vor der Abstimmung bewusst zu machen, was mit der Initiative tatsächlich auf dem Spiel steht.

Die SRG garantiert Schweizer Kultur in Schweizerdeutscher Sprache

Eine starke SRG ist eine zentrale Voraussetzung für kulturelle Souveränität, damit unsere eigenen Stimmen und Sichtweisen gehört werden. Sie ermöglicht Produktionen und Formate, die im kleinen Schweizer Markt sonst kaum entstehen würden. So werden Filme und Serien produziert, die spezifisch eigenständige schweizerische Geschichten erzählen. Teilweise in einer Sprache, die von weniger als einem Promille der Weltbevölkerung gesprochen wird, nämlich Schweizerdeutsch.

Hochdeutsch gelangt automatisch aus dem Ausland in die Schweiz. Für Schweizerdeutsche Produktionen kann jedoch nur die Schweiz selbst sorgen. In einem rein kommerziellen Umfeld sind solche Mundart-Produktionen kaum tragfähig. Genau deshalb braucht es eine gebührenfinanzierte Schweizer Kultur, weil Private diese Aufgabe nicht alleine stemmen können.

Jahrelange Angebotslücke bei Sport, News und Unterhaltung droht

Sparen will gelernt sein. Wer falsch spart, zahlt am Ende mehr. Kann sich die SRG künftig weniger Sportübertragungen leisten, wird es für Sportbegeisterte teurer. Sportverbände befürchten, dass ihre Anlässe bei einer Annahme der Initiative vermehrt hinter Bezahlschranken verschwinden.

Wie sich das auswirken kann, zeigt die Eishockey-Meisterschaft bereits heute. Wer die meisten Spiele live sehen will, benötigt ein Pay-TV-Abo, das je nach Anbieter und Laufzeit rund 400 Franken pro Jahr kosten kann. Das ist deutlich mehr als die heutige SRG-Gebühr.

Muss die SRG künftig noch stärker sparen als ohnehin schon, bleibt es nicht beim Sport, auch News und Unterhaltung wären betroffen. Wenn populäre Kulturformate und fundierte Nachrichten wegfallen, können private Anbieter diese Programme nicht von heute auf morgen ersetzen. Der Aufbau solcher Formate braucht Zeit und erhebliche Investitionen. Wer heute kürzt, zahlt morgen mit einer jahrelangen Angebotslücke.

Systemkritische Infrastruktur

Was soll schon schief gehen?

Gerade Randregionen und Bergkantone sind darauf angewiesen, verlässlich mit Informationen versorgt zu werden, und das in vier Landessprachen. In einem föderalen Land wie der Schweiz braucht es Medien, die auch ausserhalb der grossen Zentren präsent bleiben. Dort ist die SRG-Berichterstattung oft eine der wichtigsten verbliebenen konstanten Quellen für lokale Nachrichten über Politik, Kultur und Wirtschaft.

Ein funktionierendes Zusammenleben im Alltag setzt eine gut informierte Bevölkerung voraus. Davon profitieren alle, junge Menschen ebenso wie Unternehmen. Verlässliche Informationen sind die Grundlage dafür, dass Entscheidungen sachlich getroffen werden können, gerade in einer zunehmend unruhigen Welt.

Soziale Plattformen wie Instagram und TikTok wollen sich nicht um verlässliche Fakten auf ihren Plattformen kümmern. Also müssen es andere tun. Deepfakes erkennen benötigt Expertise und die Mittel, diese durchführen zu können. Genau hier hat sich die SRG über Jahre hinweg eine hohe Glaubwürdigkeit erarbeitet. In einer Zeit zunehmender Desinformation braucht es auch Medien, die nicht klick- oder algorithmus-getrieben arbeiten.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die SRG braucht populäre Formate wie die Landfrauenküche oder den Donnschtig-Jass, um eine breite Zuschauerbasis zu erreichen. Nur so kann sie auch jene Menschen mit Nachrichten versorgen, die sich nicht aktiv nach relevanten Informationen umsehen. Solche populären Programme sind jedoch nicht gratis zu haben.

Funktionierende Wahlen und Abstimmungen setzen verlässliche, unabhängige Informationen voraus, die breit konsumiert werden. Die SRG erfüllt diese Aufgabe als mediale Grundversorgung. Nicht perfekt, aber stabil. Wer dieses Fundament radikal schwächt, erhöht das Risiko für Desinformation, Polarisierung und Vertrauensverlust. Das ist keine abstrakte Befürchtung, sondern eine Frage der Funktionsfähigkeit unseres Landes.

Die Mehrheit der Bevölkerung nutzt die Angebote von SRF, auch viele Kritikerinnen und Kritiker. Von links bis rechts wird anhand einzelner Beispiele über angebliche Einseitigkeit geklagt. Gerade das zeigt: So einseitig, wie behauptet wird, kann das Angebot kaum sein.

Demokratie schwächen wegen 27 Rappen pro Tag?

Mani Matter, der auch dank Radio und Fernsehen bekannt wurde und bis heute ein kulturelles Urgestein der Schweiz ist, hatte in einem Lied gedanklich ein Zundholz zum Brennen gebracht, das eine schlimme Kettenreaktion auslöste. Die SRG-Schwächungs-Initiative zündelt nicht nur gedanklich, sondern ganz real. Wird sie angenommen, droht der SRG eine Abwärtsspirale. Weniger populäre Programme bedeuten eine kleinere Publikumsbasis für Schweizer Kultur und vor allem für verlässliche Nachrichten, mit absehbaren Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wollen wir wirklich unsere kulturellen Eigenheiten, unsere demokratischen Grundlagen und unsere Sicherheit schwächen, nur um 27 Rappen pro Tag zu sparen? Wer das Preis-Leistungs-Verhältnis nüchtern betrachtet, erkennt, welche Antwort am 8. März 2026 die vernünftigere ist.

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